Festival Perspectives – Horizonterweiterung auf der Bühne in 2 Sprachen

Vom 6 bis zum 15. Juni findet das Festival Perspectives in und vor allem um Saarbrücken herum statt. Wir haben mit der künstlerischen Leiterin Sylvie Hamard über das Programm und die Aufgabe des Festivals zur Förderung der deutsch-französischen Beziehung gesprochen.

Frau Hamard, das Festival gibt es jetzt schon seit 1978 und es ist immer weiter gewachsen. Wie würden Sie sagen hat es sich in den letzten Jahren verändert?

Ursprünglich war das Perspectives ein Festival für französisches Sprech-Theater nur im Saarland. Vor 40 Jahren war das etwas Besonderes, da es selten war Theater über die Grenzen hinaus zu zeigen. Heute sind wir an europaweite Touren von diversen Stücken gewöhnt, damals war das nicht selbstverständlich. Seit 2002 hat es sich dann zum deutsch-französischen Festival entwickelt, da die Finanzierung ab dann aus beiden Ländern kam und somit deutsche und französische Künstler eingeladen wurden. Seit 12 Jahren werden es immer mehr Stücke und das Festival ist über die Saarbrücker Grenzen hinaus gewachsen. Wir gehen z.B. nach Saarlouis, nach Forbach ins Le Carreau, nach Saargemünd oder Metz.

Beim diesjährigen Perspectives wird wieder einiges geboten. Das Programm ist bunt, laut und hat durchaus auch experimentelles zu bieten. Wenn jemand zum 1. Mal zum Perspectives kommen möchte, was würden Sie als Programmpunkte empfehlen?

Für jüngere Menschen oder Studenten, die noch keine Erfahrungen im Theaterbereich haben würde ich auf jeden Fall das Stück von der Schaubühne mit Lars Eidinger empfehlen. Die Leistung des Schauspielers ist einfach grandios und bietet eine tolle Erfahrung und einen Wow-Effekt. Wir bieten hauptsächlich modernes zeitgenössisches Theater, weshalb wir viel mehr Studenten im Publikum haben als z.B. vor 10 Jahren, auch einfach weil das Angebot den Wünschen der jüngeren Generation entspricht.

Auf dem Programm stehen Theater, Musik, Tanz und sogar Zirkus und das zweisprachig. Wie sehen Sie den Stellenwert des Festivals innerhalb der deutsch-französischen Beziehung vor allem im kulturellen Bereich?

Wir tun alles, damit sowohl die Franzosen als auch die Deutschen alle Stücke sehen können, daher auch die Übertitelung. Wir suchen Stücke gezielt danach aus, ob eine Übertitelung funktioniert und z.B. nicht zu anstrengend ist. Wir haben aber auch sehr viele Stücke ohne Sprache, um Hemmungen vor Sprache zu nehmen. Ich hatte vor kurzem die Frage, was wir für die deutsch-französische Beziehung tun und da konnte ich nur sagen: wir leben diese Beziehung. Wir versuchen jeden Tag Projekte mit beiden Seiten umzusetzen, das heißt wir sind konkret in Beziehung mit unseren Kooperationspartnern und arbeiten jeden Tag aktiv zusammen. Wir haben auch ein sehr gemischtes Publikum aus dem Saarland, aus Lothringen und Luxemburg. Wir tragen dazu bei, dass die Menschen sich besser verstehen und keine Berührungsängste haben. Wir bieten dazu z.B. einen Shuttle-Bus an, damit man nicht mal den Weg suchen muss. Wir helfen wirklich wo es geht, damit die Leute keinen Grund mehr haben zu sagen, daran kann ich nicht teilnehmen.

Sie haben ja auch viele kostenlose Sachen im Programm, z.B. das Gartenfest im Pingusson-Gebäude an Pfingsten. Wie wichtig sind Ihnen auch kostenlose Veranstaltungen?

Wir hatten so etwas immer mal wieder, denn mir ist es wichtig, dass jeder von dem Festival profitieren kann und wenn nur einmal. Durch die Kooperation mit dem Ministerium für Bildung und Kultur haben wir auch letztes Jahr schon so etwas bieten können. Aber dieses Mal sind es sogar zwei Tage an denen wir kurze ca. 30-minütige Stücke anbieten, die wirklich für jedermann geeignet sind. Wir haben sogar noch eine Veranstaltung im Deutsch-französischen Garten gegen Ende des Festivals mit Bal Trap, einem zeitgenössischen Zirkus, was auch kostenlos sein wird.

Besonderes Highlight ist der täglich geöffnete Festivalclub im Sektor Heimat. Wie wird das Programm denn hier aussehen?

Unser Sinn ist es auch, jüngere Menschen für das Theater zu begeistern und dazu anzuregen mal etwas auszuprobieren und anschließend kann man dann eben noch den Festivalclub genießen. Darauf lege ich sehr viel Wert, denn die Stimmung eines Festivals transportieren nicht nur die Stücke, sondern auch die Möglichkeit sich anschließend zusammen zu setzen und ein Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Was ich schön finde im Sektor Heimat sind die jungen Pop/Rock/Electro Gruppen, die wir einladen und bei denen jung und alt, deutsch und französisch zusammen kommen. Es ist wichtig, dass alle zusammenkommen egal aus welchem Land oder mit welchem Alter.

www.festival-perspectives.de

Text: Anna Rissel | Foto: Bal Trap © Christophe Raynaud de Lage (Position Bild), 3D © David Konecny (Position Bild), DRU © F. Rodor (Position Bild), Passagen in Portbou © Carsten Thiele Serife Zor (Position Bild), Zwischen den Säulen © Katja Renner (Position Bild)