Gesunde Sexualität

#gesundesexualität: Sex ist nicht gleich Sex (Teil 1)

Published On März 14, 2018 | By redaktion | Lifehacks, Magazin, Tipps

Die eigentlichen Beweggründe, warum du Sex hast, warum du ihn auf bestimmte Art und Weise bevorzugst, warum du gewisse Dinge ablehnst, und warum dies manchmal ganz unterschiedlich sein kann, haben mit deinen zwischenmenschlichen Bedürfnissen zu tun. Bedürfnisse sind in diesem Sinne nicht als deine Wünsche oder Ziele zu verstehen, sondern als wesentliche Antriebskräfte für dein Handeln.

In den meisten Fällen, sind diese Gründe beziehungsweise der Zweck, welchen der Sex haben soll, dir aber gar nicht wirklich bewusst. Deshalb möchte ich dir hier verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, um dir ein klareres Bild über deine Bedürfnisse in der Sexualität ermöglichen zu können. Wenn die eigentlichen Bedürfnisse nämlich nicht klar sind, und du fälschlicherweise davon ausgehst, dass dein Sexualpartner andere Bedürfnisse verfolgt, als er oder sie tatsächlich tut, kann dies zu Verunsicherung und emotionalen Verletzungen führen.

So ist es weit verbreitet und fast schon typisch, dass einer von euch sich mehr Nähe und Liebe wünscht, während der andere gegebenenfalls mehr der Lust folgt. Im Nachhinein kann dies dann bei beiden ein Gefühl der Unzufriedenheit erzeugen und scheinbar darauf hinweisen, dass etwas zwischen euch nicht stimmt. Das verunsichert und führt zukünftig noch mehr zu einer belasteten Sexualität.

Damit euch dies zukünftig erspart bleibt und ihr souverän mit euren sexuellen Bedürfnissen umgehen könnt, gebe ich euch in der nächsten Ausgabe drei Beispiele um zu zeigen, wie unterschiedlich der Beweggrund für Sex und damit, welchen Zweck er erfüllen soll, sein kann.

Stimulanz: Wenn dein hauptsächliches Bedürfnis darauf abzielt, Lust und Erregung zu verspüren beziehungsweise dieser Abhilfe zu verschaffen, geht es dir um Stimulanz. Vor allem von Männern hört man häufiger, dass ein gewisses Intervall für ein erfülltes Sexleben notwendig sei. Dies ist ein Anzeiger dafür, dass Stimulanz eine wichtige Rolle in ihrem sexuellen Bedürfnis spielt. Wenn du mich fragst, sollte Lust und somit Stimulanz immer zumindest anteilig bei der Sexualität vorhanden sein. Wenn es aber ganz stark im Vordergrund steht, geht es dir in erster Linie um Geilheit und Lustbefriedigung.

Dominanz: Wenn dein Bedürfnis nach Sex auf Dominanz begründet ist, dann bedeutet das in diesem Zusammenhang nicht, dass es sich um bestimmte Spielarten handelt, sondern, dass du versuchst mit Sexualität bestimmte Haltungen oder Ziele bei deinem gegenüber zu bewirken. Das kann zum Beispiel sein, dass du damit erreichen willst, dass dein Partner oder deine Partnerin nicht mit jemand anderem schläft, sofern du sie oder ihn nur ausreichend auslastest. Andererseits bleibt sehr vielen Frauen in Beziehungen die Entscheidungskraft darüber ob es zu Sex kommt oder nicht, als letzte Dominanz innerhalb der Partnerschaft. Frei nach dem Motto „wenn er sich schickt, gibt es eine Belohnung“, zur Not hab ich „Migräne“.

Sicherheit: Für viele ist Sex ein Ausdruck für Verbundenheit, Liebe und Nähe. Oft besteht das Gefühl „wenn wir miteinander schlafen, ist alles in der Partnerschaft in Ordnung“. So ist auch der Versöhnungssex zu erklären. Entweder wird dann mit Sex Sicherheit erzeugt, oder es wird ein bestimmtes Maß von Verbundenheit benötigt, um überhaupt über Sex dieser einen Ausdruck geben zu können.

Jetzt wird deutlich, wieso verschiedene Situationen verschiedene Bedürfnisse adressieren. Und warum du mal Lust auf solchen und mal auf solchen Sex hast. Und manchmal auch auf gar keinen. Denn in der Regel herrscht nicht nur ein Bedürfnis vor, sondern es ist eine Mischung aus allen drei Bedürfnissen – in einem ständig wechselnden Mischungsverhältnis.

Stell dir vor, du bist Single und hast einen One-Night-Stand. Hier geht es vor allem um die Lust und die Lebendigkeit somit wird das Stimulanzbedürfnis groß gewesen sein. Das Sicherheitsbedürfnis könnte sich auch gemeldet haben, wenn es darum geht, dir selbst zu zeigen, dass du attraktiv, anerkannt und gewehrtschätzt wirst.

In längeren Partnerschaften verlagert sich das Bedürfnis von Stimulanz häufig in Richtung von Sicherheit und Dominanz. Hier ist es eine Kunst, stimulanten Sex über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Wenn Dominanz zusammen mit Sicherheit die einzigen Beweggründe für Sex sind, spiegelt sich darin häufig eine große Unsicherheit und ein Kontrollbedürfnis wider.

Bedürfnisse an sich sind niemals etwas schlechtes. Die Art und Weise, wie wir sie ausleben, wie verantwortungsvoll und wie bewusst wir mit unseren Bedürfnissen umgehen, macht uns charakterlich als Mensch aus. Keines der Bedürfnisse ist per se schlechter oder besser als ein anderes. Wichtig ist nur, dass du dir darüber im Klaren bist, was du dir von Sex versprichst. Idealerweise weißt du auch, was deinen Sexualpartner antreibt, gerade jetzt mit dir schlafen zu wollen. So könnt ihr gezielter erfüllte und wirklich befriedigende Sexualität miteinander erleben.

Information!
Dr. Rouven Gehr ist Kulturanthropologe und Sexological Bodyworker und arbeitet als Paartherapeut und Sexualtrainer in Saarbrücken. Potentialentfaltung und Erfüllung in Beziehung, Persönlichkeit und Sexualität. www.beziehungsschule.net
www.facebook.com/beziehungsmanagement/

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