Jasmin Tabatabai – Vielseitig begabt

Jasmin Tabatabai fährt seit Jahren mehrgleisig: Die Deutsch-Iranerin ist sowohl als Schauspielerin als auch als Musikerin bekannt. Darüber hinaus ist sie Synchron- und Hörbuchsprecherin. Im Mai erschien ihr neues Jazz-Album „Jagd auf Rehe“, weshalb wir Tabatabei zum Gespräch baten.

Frau Tabatabei, wie ergeht es Ihnen derzeit – mit der Angst vor Corona, den Schutzmaßnahmen und ohne die gewohnten kulturellen Veranstaltungen?

Das sind ja viele Fragen auf einmal. Danke der Nachfrage, uns geht es gut. Genau wie viele andere Eltern haben wir mit Homeschooling und Kinderbetreuung eine sehr intensive Zeit hinter uns. Nebenbei muss man dann noch Homeoffice machen und Interviews geben. Aber so geht es ja vielen Leuten. Das ist mir allemal lieber, als dass wir hier unkontrollierbare Verhältnisse haben.

Für eine Musikerin ist es natürlich hart, wenn sämtliche Konzerte ausfallen. Was die Schauspielerei angeht, gehen die Dreharbeiten frühestens Ende Sommer weiter. Da müssen wir jetzt irgendwie über die Runden kommen. Es ist für die Kulturszene allgemein sehr, sehr hart gerade. Ich habe letztes Jahr glücklicherweise viel gearbeitet. Aber es gibt so viele Kollegen, die jetzt massive Probleme haben. Hinzukommen die Konzertveranstalter. Ich hoffe sehr, dass die Menschen aus der Kulturszene wirklich – wie angekündigt – mehr Hilfen und Unterstützung bekommen.

Kommen wir zur Musik: 2012 wurden Sie als „Sängerin des Jahres national“ mit einem „Echo Jazz“ geehrt. Wie überrascht waren Sie?

Ach total, ich hätte nie damit gerechnet. Ich hatte gerade meinen ersten Ausflug in den Jazz unternommen. Es war eine große Auszeichnung, über die ich mich sehr gefreut habe, weil sie auch von einer Jury, von Fachleuten, kam und nicht wie beim „Pop Echo“ über die Verkaufszahlen.

Auf ihrem neuen Album „Jagd Auf Rehe“ covern Sie nicht zum ersten Mal Reinhard Mey – diesmal u.a. „Männer Im Baumarkt“. Was fasziniert Sie so an diesem deutschen Liedermacher?

Er ist einer der großartigsten Künstler, die wir in diesem Land haben. Er müsste eigentlich noch viel mehr verehrt werden, als er eh schon verehrt wird. Ich finde, er hat eine solche Bandbreite: Seine traurigen Songs sind immer so persönlich und tief, dass man weinen könnte. Gleichzeitig hat er diese Leichtigkeit, diesen Wortwitz, und allgemein so gute, eloquente Texte, in denen er menschliche Eigenschaften gnadenlos beleuchtet, ohne den liebenden Blick zu verlieren. Ich verehre ihn sehr.

Wie sehr freuen Sie sich, nach der Coronakrise wieder auf der Bühne zu stehen?

Wahnsinnig, das fehlt mir sehr. Ich freue mich wirklich darauf, wenn wir das alles hoffentlich gut überstanden haben, und ich den ersten Abend wieder mit Menschen gemeinsam einen Abend erleben kann. Ich glaube, das geht Vielen so: Uns allen fehlt das gemeinsame Erleben von Dingen sehr. Mir auch.

Text: Kai Florian Becker Bild: Mathias Bothor/photoselection