Mosel Musikfestival 2019

Fremde Klangwelten und spannende Spielstätten

Fremde Klangwelten und außergewöhnliche Spielstätten sind auch 2019 die Säulen des diesjährigen Mosel Musikfestival. Unter dem Motto „heimat/en“ finden vom 12. Juli bis zum 7. Dezember in insgesamt 34 Hallen, Kirchen und sogar Weingütern, Konzerte der Extraklasse statt. Bereits im zweiten Jahr als Intendant, hat uns Tobias Scharfenberger einige Fragen schon mal vorab beantwortet.

Herr Scharfenberger, was verbinden Sie mit dem Begriff „Heimat“ und wie viele „Heimaten“ haben Sie selbst?

Tobias Scharfenberger © Moselmusikfestival

Nach 25-jähriger internationaler Tätigkeit als Opern- und Konzertsänger und vielen Reisen, bedeutet Heimat für mich einen Ort, an dem ich mich wirklich zu Hause und wohl fühle. Das ist für mich gar nicht an eine Nationalität gebunden. Das hat für mich mit Familie, Sprache, Kultur, Musik, Humor, Licht, Kulinarik und auch mit bestimmten Düften und Gebräuchen zu tun, die mir das Herz froh machen. Es sind Orte, an denen ich einen Seelenfrieden verspüre. Auf der Mosel im Ruderboot umrahmt von dem grandiosen Blick auf die Weinberge löst beispielsweise in mir sehr heimatliche Gefühle aus.


Welche Auswirkung glauben Sie hat die Digitalisierung auf unser Heimat-Gefühl?

Eine unglaublich interessante Frage. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Menschen gibt, für die das Leben mit ihrem Tablet oder Smartphone mittlerweile ein Teil von Heimat ist. Die ständige Verfügbarkeit und das Teilen von Inhalten, Bildern, Texten und Musik, das Chatten mit Freunden und Familie macht möglicherweise das, was Menschen auch mit Heimat verbinden, leichter verfügbar, lässt sie zusammenrücken – wenigstens virtuell. Gleichzeitig wird meines Erachtens nach das reale physische Erleben eine immer größere Bedeutung bekommen. Die permanente Reizüberflutung durch die digitalen Medien führt – hoffentlich – dazu, dass reale, vergängliche Momente, mit Familie, mit Freunden, an besonderen Orten, in besonderen Momenten wieder einen stärkeren Fokus bekommen. Ich habe den Eindruck, dass die Digitalisierung unser Leben und damit auch unseren Lebensmittelpunkt, also unsere Heimat, in einer Weise verändert, die wir bestenfalls nur leise erahnen können. Die kostbaren Augenblicke, Menschen, Gerüche, Bräuche, Artefakte u.v.m. drohen zunehmend ihre Kraft zu verlieren, in uns zu räsonieren. Und diese Resonanz benötigen wir, um heimatliche Gefühle und Bindungen zu entwickeln.

Knabenchor Hannover © Blickpunkt Photodesign, D. Bödeker

Sie engagieren sich auch in diesem Jahr stark für den musikalischen Nachwuchs. Neben dem festival@school, bei dem Schüler*innen und Lehrer*innen gemeinsam mit Profimusikern Loungekonzerte entwickeln, setzen sie auch auf angehende Profimusiker*innen mit der Reihe „Jugendstil“. Wie wichtig glauben Sie, ist klassische Musik noch bei jungen Menschen?

Ich würde die Frage sogar noch weiter fassen: wie wichtig ist klassische Musik überhaupt noch bei den Menschen. Sie ist dann wichtig und relevant, wenn es uns gelingt einen Lebensbezug zu unserer heutigen Welt herzustellen. Dann lassen sich nicht nur junge Menschen, sondern auch ein großer Teil der Leute, die heute (noch) nicht zu uns kommen für klassische Musik begeistern. Sie darf in keinem Fall zu einem musealen, bildungshuberischen Traditionsgut erstarren. Das bedeutet für Kulturinstitutionen jedweder Art, dass wir uns immer wieder dazu ermahnen müssen aus unserer „bubble“ hinauszugehen, Geschmacks- und Denkschablonen abzulegen, Neugierde zu wecken und zu zeigen, dass diese Musik uns hilft, zuhören zu können, Komplexität zu verstehen, Kreativität auszubilden. An dem Schulprojekt festival@school arbeiten derzeit beispielsweise fast 150 Schüler*innen aktiv mit, eine überwältigende Zahl, und ich glaube, das hat damit zu tun, dass es uns ein wenig Gelungen ist, zu zeigen, dass Konzerte veranstalten, mit viel, viel mehr zu tun hat, als Künstler zu buchen, einen Saal zu mieten und Tickets zu verkaufen.

I-Liguriani © Alice Ellena

Haben Sie ein persönliches Highlight, auf das Sie sich ganz besonders freuen?

„Kaum ein Programm zuvor hat die Bezeichnung Festival derart verdient!“ so schrieb die Presse nach unserer Programmvorstellung im Dezember. Es gibt Klangfarben im Festival, die so zuvor noch nicht im Moseltal zu erleben waren. Die Frage nach den persönlichen Highlights ist für mich wirklich nicht einfach, gerade wenn man mit so viel Vorlauf ein Festivalprogramm plant und in jedes noch so kleine Konzert viele Gedanken und Überlegungen eingeflossen sind. Im Kontext unseres Festival-Mottos sind es ganz bestimmt das Eröffnungskonzert mit dem Knabenchor Hannover und Canadian Brass, die sich unseren wunderschönen Volksliedern in einzigartigen, neuen Arrangements annehmen (13.09.2019, Trier). Ich freue mich sehr auf die Couchies (20.Juli in Saarburg) und den Auftritt des wunderbaren Silent Explosion Orchestra aus dem Saarland (26. Juli in Kröv). Einmalige Konzerterlebnisse versprechen auch die Kronthaler Band am 14. August in die Valentiny Foundation im luxemburgischen Remerschen oder die beiden Open-Airs in Trier mit „I Liguriani“ (17. August) und „Goldmeister“ (18. August) in Trier.

Canadian Brass Capture One Session2632 © Daniel D’Ottavio

Text: Antonia Weber

moselmusikfestival.de

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