Ostrockmuseum Kröpelin – Die Geschichte der DDR-Rockmusik

Kröpelin, nie gehört? Die Kleinstadt liegt im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Nur 10km entfernt findet man den ältesten Seebadeort Deutschlands, das Seebad Heiligendamm. Doch neben einem erholsamen Urlaub bietet Kröpelin auch Deutschlands erstes Ostrockmuseum. Im Obergeschoß des Stadtmuseums (hier agiert die freundliche Frau Peters) findet man einen Querschnitt ostdeutscher Rockmusik- und Kulturgeschichte aus 40 Jahren DDR. Am 03. Juli 2015 wurde die Ausstellung zum Ostrock, als Teil der Unterhaltungsmusik der DDR, eröffnet. Hervorgegangen aus dem Fundus des Vereins „Sechzig –Vierzig“ aus Berlin, entstand in Zusammenarbeit mit der TH Wismar, ein einzigartiges in fünf Themenbereiche aufbereitetes interaktives Erlebnismuseum. Für den lohnenswerten Rundgang (Musikgeschichte der DDR und BRD, Original-Plattenladen, Bühne in der Pause eines Live-Auftritts, Tonstudio zum Ausprobieren und Ostrock-Devotionalien/Geschichte aus mehr als 20 Jahren Dorfrock Schmadebeck) sollte man mindestens 1h einplanen. Denn womöglich dauert der Anruf über das rote Telefon bei Walter Ulbricht, dem Staatsratsvorsitzenden der DDR etwas länger, seine Antwort zur Beatmusik der 1960er Jahre bleibt aber stets die Gleiche: „Die Monotoie des JE JE JE und wie das alles auch immer heisst“

Kuratoriumsmitglied Reinhard Dankert stand uns außerdem für ein kurzes Interview Rede und Antwort.

Was hatte es mit dem Verein ´Sechzig – Vierzig´aus Berlin auf sich, aus dessen Fundus das Ostrockmuseum aufgebaut wurde?

Dieser Verein hat sich nach 1989 der Pflege des Ostrocks verschrieben. Organisierte Ausstellungen vorwiegend in Berlin, hatte eine umfangreiche Materialsammlung, z.B. die Geräte in unserem Museum und sehr viel Wissenswertes zu den Bands aus dem Osten Deutschlands, was überwiegend in unserer Zeitleiste an den Wänden eingeflossen ist. Als ich damals die Idee hatte, ein Ostrockmuseum in Kröpelin zu gründen, suchte ich im Netz unter eben „Ostrockmuseum“ nach Treffern und landete bei 60/40, nahm Kontakt auf und die Dinge nahmen ihren Lauf. Inzwischen war es in Berlin fast unmöglich, für ein kleines Budget Ausstellungen zu machen. Wir hatten dagegen Räume, aber kein Material. Passte also. Der Ausgangspunkt für die Idee eines ORM war die Tatsache, dass es den Dorfrock gab, der damalige Bürgermeister irgendwie Künstler nach Kröpelin und Umgebung locken wollte und weil Ostrock eine besondere Form deutscher Kultur ist.

Sind die drei Mitglieder des Kuratoriums bis heute mit dabei?

Ja, es sind noch alle an Bord: Rüdiger Kropp, Organisator des Dorfrock Schmadebeck, Bauamtsleiter der Stadt Kröpelin. Thomas Lehner, Rockmusiker „Five Men On The Rocks“, Stadtvertreter. Reinhard Dankert, Tanzmusiker „Atlas Revival Projekt“, Ortsratsvorsitzender.

Ist es geplant die fünf Themenbereiche zukünftig zu erweitern? Welche inhaltliche Erweiterung ist denkbar?

Da wir nur wenig Räume haben, kommt es lediglich im Dorfrockraum zu wechselnden Ausstellungen, in kleinem Rahmen natürlich. Wir hatten Renft, danach 40 Jahre Gruppe Karussell und jetzt wollen wir eine kleine zu den Amateur-Musikern aus der näheren Umgebung machen. Dieser Teil der „Szene“ war ja zu DDR-Zeiten wichtig für die Absicherung von Tanzveranstaltungen z.B. in Gaststätten, Kulturhäusern und FDGB-Heimen. Nicht ganz einfach, da an Material heranzukommen.

Findet das Festival ´Schmadebecker Dorfrock´ nach wie vor jährlich statt und wenn ja, kommt das Publikum dabei vorwiegend aus Ostdeutschland?

Ja es findet jährlich statt und das Publikum kommt vorwiegend aus Ostdeutschland. Was aber erfeulich ist, dass es viele Spezialisten aus dem Medienbereich, zB. Internetradio, aus ganz Deutschland sich für uns interessieren, für Festival und Museum.

Hatten Sie jemals über eine Art Museumsshop nachgedacht, wo man z.B. Tonträger und Bücher zum Thema erwerben kann. Dies fehlt ja leider ganz.

Nein, das würde unsere Möglichkeiten übersteigen, wollten wir auch nicht wirklich. Was wir in der Pipeline haben, ist eine Broschüre zum Museum, weil doch immer wieder gerne etwas mit nach Hause genommen werden möchte. Da wir es mit Fördermitteln aus LEADER machen wollen, fragen Sie bitte nicht nach dem bürokratischen Aufwand. Aber wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es dauert…

Besten Dank für das informative Gespräch. Die Öffnungszeiten findet man hier: www.ostrockmuseum.de

Text: Frank Keil | Bildmaterial: Frank Keil & PR