Rantanplan – Skapunk mit Botschaft

Die erfolgreiche Hamburger Skapunk-Formation Rantanplan hat mit „Stay Rudel – Stay Rebel“ ein neues Album veröffentlicht. Viel Wissenswertes rund um die Band und ihre Geschichte vermittelt Sänger Torben Meissner im spannenden Interview.

Rantanplan wurden 1995 gegründet, einzig verbliebenes Originalmitglied bist Du als Sänger. Was hat dich 24 Jahre lang motiviert trotz aller Höhen und Tiefen mit der Band weiterzumachen? War der Ausstieg von Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff (damals auch But Alive, heute Kettcar) einschneidend für die weitere Entwicklung von Rantanplan?
Ich hatte mal einen furchtbar schlimmen Business-Job und sollte noch mehr Karriere machen. Mein Körper hat das anders gesehen und 2 Liter Kaffee, 2 Päckchen Camel ohne am Tag mit regelmäßigen Asthmaanfällen quittiert. Irgendwann war nachts der Notarzt wöchentlich da und ich hatte nichts Besseres zu tun, als mit zwei Kanülen im Arm auf Klo heimlich eine zu rauchen, während der Arzt noch da war! Es kam der Punkt, an dem ich mir gesagt habe: Du bist schon fast tot und wolltest doch eigentlich noch etwas Besonderes machen. Also bin ich von jetzt auf gleich einfach nicht mehr hingegangen. Ich habe nicht mal gekündigt. Dann habe ich Rantanplan gegründet und es sollte sich so entwickeln, dass ich (dadurch?) immer gesünder wurde. Ich könnte jetzt theoretisch eine Bong rauchen, Digger! Ich werde 47 und benehme mich teilweise nur halb so alt, ohne dabei ein peinlicher Berufsjugendlicher zu sein. Als Reimer Sylvester 2000 hinwarf, war das ein Schock für mich, weil Rantanplan unser beider Baby war. Ich hatte mir 2 Wochen Bedenkzeit genommen und als Reimer dann sagte, er fände es gut wenn’s mit Rantanplan weitergeht, haben wir uns versucht zusammenzuraufen. Das hatte nicht wirklich hingehauen und Marcus verließ daraufhin auch die Band. Bei …But Alive hatte ich ja Bass gespielt und die Auflösung lag erst 3 Monate zurück. Das war schon eine bewegte Zeit. Ich wollte damals aber unbedingt weiterhin Punk machen und meine Band nicht auflösen, nur weil andere unbedingt wünschten sich künstlerisch stark zu verändern. Ich mag Kettcar sehr, aber es ist keine energetische Musik mit Druck dahinter. Ich kann dazu nicht mal tanzen. Ich brauche Musik als Ventil, um nicht zu platzen. Ska Punk ist mein Sandsack, reines Schattenboxen taugt mir nicht. Nichtsdestotrotz waren das die einschneidensten Ereignisse überhaupt und all der Personalwahnsinn bei Rantanplan im Nachhinein ist dagegen eine kleine Posse. Ohne Peso und später Wido, hätten wir damals alt ausgesehen und auch Rod von den Ärzten hatte uns damals mit einem goldenen Plattendeal wieder hochgeholfen. Mir ist nichts so wichtig, wie die soziale Gemeinschaft. Deshalb habe ich auch schon mal eine komplette Besetzung wieder rausgeschmissen, weil die Sozialität sich verdunkelte. Heute sind wir gottseidank eine tighte Truppe, bei der alles stimmt. Meine Mitspieler sind sich der riesigen Fußstapfen von Marcus und Reimer bewusst und tanzen darin Pogo.

Rantanplan

Inwieweit haben sich die Einflüsse der Band über die Jahre hinweg geändert, sind es eher die amerikanischen Bands Marke Mighty Mighty Bosstones, der britische Two Tone Ska oder eher die weltweite Third Wave die Euch geprägt haben bzw. prägen? Ist Rantanplan 2019 mehr Ska als Punk oder mehr Punk als Ska? Befasst sich die Band oder einzelne Musiker überhaupt mit traditionellem jamaikanischem Ska?
Der erste Einfluss ist diese beschissene Welt der Nacktaffen. Das hat sich nicht verändert. Madness habe ich in den 80ern gehört und höre sie noch heute. Specials, Skatalites, Clash,.. Da hat sich gar nicht so viel getan bei mir. Was ich überhaupt nicht leiden kann sind diese jungen neuen Bands, welche so retro klingen, dass man sie partout anachronistisch hört. Das ist doch grenzdämlich, wenn 20jährige heute haargenau so klingen wie New Order damals.
Unser Drummer Marlon hört am liebsten Metal und Ami-Punk, aber wir nerven ihn konsequent mit Bad Manners und dergleichen. Ob wir mehr dieses, oder weniger jenes sind, können andere viel besser bewerten, als ich. Mir ist bei Rantanplan wichtig, dass es meine eigene Definition von Strandmusik ist. Das war so und wird so bleiben. Im Laufe der Jahre haben Einflüsse anderer Bands auf mich ziemlich nachgelassen. Ich schreibe eigentlich auch nur noch Lieder, die mir wirklich viel bedeuten. Ich schreibe nicht, um Hits zu platzieren. Ich schreibe meine Seele heile und um mein beschwertes Herz zu erleichtern. Das Elend begreife ich leider zu transzendental. Es geht mir nah, dass es den meisten Menschen schlecht geht. Ich habe seit Jahren kein Fernseher mehr, weil mich alles sehr traurig macht, oder bestürzt, was es da drinnen zu sehen gibt.

Mit 10 Alben zählen Rantanplan definitiv zur Speerspitze des Skapunk in Deutschland, spielen Champions League in Europa. Wie sieht es generell mit Erfolgen der Band im Ausland aus, oder ist die Karriere dort nur Ergänzung zum Kerngeschäft in D, A und CH?
Schweiz und Österreich ist da schon unser Ausland. Nächstes Jahr zum 25jährigen Jubiläum spielen wir endlich in Moskau und St. Petersburg, aber sowas sind Ausnahmen. Es wäre auch einmal beinahe zu einer Kuba-Tour gekommen… Ich fürchte, wenn es keinen edlen Spender für derlei Unternehmungen gibt, werden Rantanplan sowas auch nicht machen können.

Wo wurde das neue Album „Stay Rudel – Stay Rebel“ aufgenommen, wie lange habt ihr in welchem Studio und mit welchem Produzenten dafür gebraucht?
Im Clouds Hill Studio, Hamburg. Kay Petersen und Benno Kupska (beide Rantanplan ex-Bass) haben die Platte mit uns produziert.

Welche Bedeutung kommt den Texten zu, sollen sich die Fans abseits der Shows mit den Lyrics auseinandersetzen?
Also während der Konzerte setzt sich damit doch niemand weiter auseinander, als das Mal einer brüllt, dass er die Texte nicht versteht. Das ist aber ein ganz generelles Problem bei Musik. Wenn man härteres Zeug als Robbie Williams spielt, sind Texte live schwierig zu verstehen! Ich hoffe sehr, manchen im stillen Kämmerlein zu erreichen, wo sich mit den Lyrics gedanklich auseinandergesetzt wird.

Welchen Stellenwert genießen die Gäste auf der CD, wer hat wen wegen der einzelnen Tracks angesprochen bzw. wer wen ausgesucht?
Wir haben im Sommer mit den Donots auf einem Festival gespielt und gefeiert. Gero wurde von Guido dort sogar tätowiert. Wir haben den Song Stay Rudel-Stay Rebel dort erstmalig livegespielt und Ingo und Guido kamen zusammen mit unserem Tätowierer Pedi und zweien von Le Fly auf die Bühne und haben die Hook mitgebrüllt. Danach haben wir uns angeguckt und gesagt: Geile Idee! ZSK sind beim gleichen Management, wie wir. Da war der Dienstweg kurz. Sprinder von Liedfett ist ein Kumpel und Swiss kennen wir aus diversen Festival-Backstages. Wir hätten so gern ein Feature mit Wölfi gemacht, aber der konnte/wollte nicht. Ich habe neulich so ein Hiphop Clip gesehen indem er mitspielt. Seitdem habe ich etwas Angst vor ihm…

Drei meiner absoluten Rantanplan-Lieblingssongs sind „Hamburg, 8°, Regen“, „Meine Liebe stirbt“ und „Hallo Hure Hamburg“, sind diese Stücke 2019 noch im Live-Programm?
„Hamburg, 8°, Regen“ ist momentan drin. „Hallo Hure Hamburg“ ist gerade wieder raus. „Meine Liebe stirbt“, spiele ich derzeit nur akustisch/ solo.

Welche Bedeutung kommt einer Rantanplan-Live-Show im Verhältnis zu Studioaufnahmen zu? Gibt es da eine Wertigkeit oder ist das Verhältnis eher 50% zu 50%?
Keine Ahnung. Mir ist wichtig Songs so aufzunehmen, dass feinstoffliches dabei ist. Ansonsten bleibt es doch nur Totem. Jeder Depp kann heutzutage mit ‘nem Laptop alles Mögliche zurechtfaken. Wir gehen ins teure Studio, lassen uns halbwegs volllaufen, geben echte Tränen und echtes Blut hinzu und scheissen getrost auf überbordendes Effekthaschertum. Die wenigsten Bands können das überhaupt noch! Live hingegen ist die Überlebensstrategie. Druck geht raus, der sich angestaut hat… Es ist die echte Verbindung mit Leuten. Alle in einem Raum und so. Und was für tolle Menschen wir dabei schon so alles kennenlernen durften! Danke dafür!!!

Mergener Hof, Trier
Freitag, 26. April, 20.00 Uhr
www.rantanplan-sucks.de

Text: Frank Keil
Bild: PR

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