Spermbirds

Die Punkrocker Spermbirds haben sich mit dem Album „Go To Hell Then Turn Left“ eindrucksvoll – heißt: laut, schnell und wütend – zurück gemeldet. Wir besuchten daher Sänger Lee Hollis in seiner Saarbrücker Wohnung, am Rande des Chinesenviertels gelegen.

Lee, ist „Go To Hell Then Turn Left“ ein Konzeptalbum?

Ich las in den Kritiken, dass ich wohl immer noch pissed-off sei. Aber um es ganz klar zu sagen: Ich bin nicht jeden Tag wütend, aber dies ist ein Pissed-off-Album. Mit Absicht!

Inwiefern macht es für Dich einen Unterschied, für Spermbirds und für Steakknife Texte zu schreiben?

Nun, Spermbirds sind sozusagen eine ernstere Band. Bei Steakknife bin ich der Ansicht, dass es okay ist, wenn ich alberner bin und Fäkalhumor einbringe. Was natürlich nicht heißt, Steakknife sei keine ernstzunehmende Band. Doch Spermbirds sind das größte Mikrofon, das ich habe. Wenn ich etwas Ernstes loswerden will, dann hier.

War es denn geplant, dass das Spermbirds-Album so wütend ausfällt oder war das Zufall?

Soweit es mich angeht, sollte jedes Punkrock-Album wütend zu klingen. (lacht) Im Ernst: Heutzutage gibt es so viel, über das man sich aufregen kann bzw. das einen wütend macht. Es ist nicht unser Job, wütend zu sein, aber es ist unser Job, nicht darüber zu singen, wie traurig wir sind oder in wen wir mal verliebt waren.

Du wirst mit dem Alter nicht ruhiger?

Zumindest rege ich mich nicht mehr so oft über Kleinigkeiten auf. Tatsächlich habe ich schon lange nicht mehr gegen die Wand geschlagen. Andererseits sehe ich heute viel klarer. Es gibt einen Kampf zwischen Gut und Böse, und ich stehe auf der Seite der Guten.

Im Begleitschreiben zum Album war vom möglicherweise letzten Spermbirds-Album die Rede…

Das ist eine Lüge und hat niemand von uns je gesagt. Das stand wohl nur da, um Aufmerksamkeit zu erregen. (lacht) Im Gegenteil: Wir haben vor, uns wie eine richtige Band zu verhalten und unsere Fans bis zum nächsten Album nicht wieder neun Jahre warten zu lassen.

Hand aufs Herz: Fühlst Du Dich manchmal zu alt für Punkrock?

Tagtäglich… (lacht) Ich schrieb darüber einmal: Als Punkrock in England losging, war man mit 18 Jahren schon zu alt. Als ich 20 war, hatte ich vor, mich mit 25 zu verändern. Dann war ich 30, 35 und 40 und dachte letztlich: Scheiß drauf, ich bleibe beim Punkrock. Solange wir mit Spermbirds Punkrock spielen können, ohne uns zu blamieren, machen wir weiter. Es tut zwar etwas mehr als früher, aber es tut eh immer etwas weh.

Text: Peter Parker

Bild: Johanna Kuby

Bereits erschienen: Spermbirds „Go To Hell Then Turn Left“ (Rookie Records/Cargo Records)

Kaiserslautern, Kammgarn

Freitag, 15. November, 20 Uhr