Theater im Viertel

Großes Theater auf kleinem Raum

Jutta Roth, 1. Vorsitzende des TiV, Dietmar Blume, der Künstlerische Leiter und Robert Karge, Dramaturg sind in den kleinen Räumen fast wie zu Hause. Das gilt natürlich vor allem für Veronika Häfele-Zumbusch, die seit Gründung des TiV mit allen Dingen eines Theaters bestens vertraut ist, auch für Christoph Spanier, der als Webmaster, Fotograf, Designer für ein wirksames Außenbild des TiV sorgt und – last but not least, Florian Layes, der als Techniker nicht nur für Licht auf der Bühne sorgt.

Schnell ist man rund geführt und staunt nicht schlecht, wenn man sieht, was hier so alles auf die Bühne gebracht wird. Und das TiV blickt auf eine 30 jährige Tradition zurück.  „Vor allem der Raum hat sich in den 30 Jahren verändert“, merkt Dietmar Blume an, und erklärt wie damals das historische Gebäude am Landwehrplatz bezogen worden ist. So wurde zum Beispiel die Bühne so gestaltet, dass sie eher ein offener Raum ist, der sich flexibel gestalten lässt und nicht fest installiert, wie in manch anderem Haus. „Wir haben dadurch einfach viel mehr Möglichkeiten mit dieser Bühne zu arbeiten. Wir haben Tanz, Puppenspiel, Kabarett, Pantomime, Live-Musik und noch vieles mehr im Programm. Da braucht es einfach eine Bühne, die wandelbar ist“, sagt Dietmar Blume und zeigt sich zu Recht stolz auf die Vielfalt des Angebots.

(von rechts) Jutta Roth, 1. Vorsitzende des TiV, Dietmar Blume, der Künstlerische Leiter und Robert Karge, Dramaturg


„Hier geben sich Profis und Amateure die Klinke in die Hand“, fügt Jutta Roth an. „Wir bieten nicht nur der freien Szene einen Platz zum Aufführen, sondern begrüßen genauso Studentengruppen. Aber auch Profis aus Berlin oder anderen großen Schauspielstädten können wir manchmal mit unserem Gastspieletat engagieren“. „Das ist ja auch das Interessante am TiV, denn prinzipiell soll jeder hier seine Geschichte auf die Bühne bringen dürfen, gleichgültig ob als szenisch-politisches Statement, provokatives Tanztheater, kultige Jazz-Band, Sprachspiel, szenische Lesung oder ausgearbeitetes Bühnenstück, für das das TiV auch als Probebühne zur Verfügung steht“, ergänzt Robert Karge.
Im Team wird diskutiert, was für das Publikum spannend und/oder neu sein könnte und das dann nach Möglichkeit in das Programm aufgenommen wird.. Auch mit Schulklassen wird gearbeitet, um schon in bei jungen Menschen ein Verständnis für Inhalte und Formen sowie für das Ausdruck und Darstellung zu schaffen.

Der hauseigene Theaterclub unter Leitung von Anja Breyer-Hahn trifft sich regelmäßig einmal die Woche und gibt Amateuren die Chance, zusammen ein Stück zu erarbeiten und im Glücksfall ist das ein oder andere neue Talent zu entdecken. So wird aktuell “Die Vereinigung der beiden Korea“ von Joelle Pommerat aufgeführt,  ein Stück, welches auch im Staatstheater lief. Das Renomme des Autors und die engagierte und kreative Inszenierung Anja Breyer-Hahns braucht trotz oder vielleicht auch wegen der reduzierten Möglichkeiten des TiV einen Vergleich nicht zu scheuen.

Das ist immer wieder toll,  an einem Amateur etwas zu entdecken, was einfach überrascht, fasziniert und dich auf einmal total beherrscht!“, erzählt Blume und man merkt ihm die Begeisterung an, als er wild gestikulierend erklärt, was noch so alles ab Herbst im TiV zu sehen sein wird. Denn der neue Vorstand, der im vergangenen August gewählt wurde, hat viele tolle Ideen und macht richtig was los auf der kleinen Bühne. „Die Mischung ist für mich das Wichtigste“, betont Jutta Roth, „Und das nicht nur auf der Bühne. Es sind die  altbekannten Gesichter, die auf Neue treffen und die Dynamik, die dabei entsteht. Gerade die Arbeit mit Festivals wie dem Loostik oder dem Grafitti bringt Leben in den neuen Spielplan und machen das TiV bunt, laut und lässt die Räume vor Menschen wimmeln.“

Es wird viel gearbeitet, um dem Publikum einiges zu bieten. Die Arbeit wird im TiV fast ausschließlich ehrenamtlich gestemmt. Das kleine aber sehr engagierte und sympathische Team versucht grundsätzlich alles möglich zu machen, auch wenn man hier und da mal an Technik oder Finanzen zu scheitern droht. Aber an neuen Ideen und jungem Publikum mangelt es nicht, und das ist doch erstaunlich, denn die Kultur kämpft ja gerne mal um Nachwuchs. „Das liegt aber auch an der Mitarbeit der jungen Schauspieler und Künstler, die hierherkommen, denn die ziehen meistens jetzt und in späteren Jahren dann wieder neue junge Menschen an, und so wird diese Idee der Bühne für alle auch über Generationen weiter gegeben“, erklärt Robert Karge. Es ist eben ein Theater, das mehr bietet als Schauspiel oder Bühne. Es ist ein Theater, welches von einem breiten Spektrum der Kunst lebt, vom Ausprobieren und Heranwagen, vom der Bereitschaft und Fähigkeit, Neues zu entdecken und dies jeweils zusammen zu erarbeiten.

Text: Anna Rissel

Bild: INSZENE Media

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