Seine Songs erreichten bereits in den 80ern Kultstatus und seine Alben landen bis heute regelmäßig in den Verkaufscharts. Wolf Maahn gilt als einer der einflussreichsten und beständigsten Musiker des Landes. Sein Hit-Album „Irgendwo in Deutschland“ klingt heute noch so frisch wie damals. Wir haben uns mit dem gebürtigen Berliner und bekennenden Linkshänder über dies und jenes unterhalten, vor allem aber über seine Break Out Of Babylon Tour 20-22, die nun endlich Flügel bekommt.

Irgendwo in Deutschland“ hielt sich neun Monate in den Top 75 der deutschen Album-Charts. Als Produzent hast Du auch den Sound von Künstlern wie Klaus Lage, Neue Heimat (woraus Purple Schulz hervorgegangen ist), Schroeder Roadshow, Marianne Rosenberg und vielen mehr geprägt.

Alle diese Künstler sind unverwechselbar, haben ihren eigenen Stil oder Stilmix. Ich verbinde bekanntermaßen Rock und Soul. Aber dabei gibt es wieder unzählige Spielarten. Letztendlich suche ich einfach den Punkt, wo es funkt, wo es mich berührt.

Wie auch immer man diese Zeit bezeichnet, sie hat deutschsprachige Musik vom Schlagermuff befreit und ein neues Selbstbewusstsein für die Muttersprache geweckt. Erkennst Du dich in der heutigen deutschsprachigen Popmusik wieder?

Naja, die Errungenschaft gab es zwar, aber seit Jahren sehen wir, dass Schlager immer präsenter wird, indem er sich geriert und versucht daherzukommen wie Rock. Es ist Schlager 2.0. Einfach die alte Formel in neuen Kleidern.

Das hat dich nicht abgehalten auch englischsprachige Alben und Tiel zu produzieren. War das Kalkül (Peter Schilling, Nena, Trio, Hubert Kah hatten das auch gemacht) oder eher „Back to the Roots“?

So habe ich halt angefangen. Mit englischen Lyrics als Leadsänger der Food Band. Wir spielten auch oft in Holland, Belgien und England und Support für Bob Marley, Steele Pulse oder Fleetwood Mac. Bis heute kann ich mich manchmal besser in Englisch artikulieren. Die Food Band war übrigens auch häufig in Saarbrücken. Wir spielten oft in der Aula der Uni.

Du hast Dich gesellschaftspolitisch sehr stark eingesetzt. Warst Mitglied in der Band für Afrika, hast dich gegen Krieg und Atomkraft eingesetzt, nicht auch zuletzt nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Was geht dir heute durch den Kopf, wenn Du an den Überfall auf die Ukraine denkst, und wie man in Tschernobyl leichtfertig mit Bomben und Rakete umgeht?

Es ist ein Albtraum. Alle, die ich kenne, sind erschüttert. Was haben wir gekämpft gegen das alte Feindbild von Russland! Jetzt macht dieser Typ daraus ein zweites Nordkorea, wo kleine Kinder mit umgeschnallten Pappraketen paradieren. Es ist in vieler Weise unmenschlich, verantwortungslos und dumm. Die Menschheit hat echt schon genug an der Backe. Die entscheidenden Jahre fürs Klima sind jetzt. Die UN fordert drastische Maßnahmen. Und dann liest man, dass diesem Putin nur wichtig wäre wie er irgendwann in den Geschichtsbüchern rüberkommt. Ich nehme an, da wird er Kaiser Nero locker in den Schatten stellen.

Du bist bekennender Beatles-Fan. Hier habe ich keinen Hinweis auf eine Zusammenarbeit gefunden. Dafür aber mit Pino Palladino, dem spätere Bassisten von The Who und es ging auch mit der Food Band einmal in den legendären Marquee Club. Waren dir Daltrey und Townshend damals zu hart?

Die Who zu hart? Oh nee! Pino Palladino war mir auch eher durch die Zusammenarbeit mit Paul Young und Don Henley aufgefallen.

Laut Presseinfo hast Du schon über 1200 Konzerte gespielt. Kriegst Du die 2000 noch voll?

Warum nicht, haha, vielleicht dann mit einer ganz krassen Bühnenshow mit Treppenlift?

Eigentlich wolltest Du 2020 Dein neues Album „Break Out of Babylon“ auf die Straße bringen. Jetzt ist das möglich, aber das Album hat nunmehr schon zwei Jahre auf dem Buckel. Wie hält man so lange die Spannung und die Freude an dem „Neuen“?

Kein Problem. Mein Glück ist es, dass sich die meisten Songs als zeitlos erweisen, und live kommen sie sowieso jedesmal wieder ein bisschen anders.

Vielleicht sorgt das Album ja mit seinen Reggae und Dance Hall Beats auch eher für Entspannung, obwohl die Texte nicht gerade von eitel Sonnenschein handeln. Sind diese Tracks eine Hommage an Bob Marley & the Wailers, bei denen Du 1980 supported hast?

Eine Hommage würde ich das nicht nennen, aber ich bin schon sehr beeinflusst von ihm. Apropos zeitlos – Seine Songs und seine Recordings könnten alle genauso gut von heute sein. Er und die Wailers haben dieses Soundkonzept erfunden und es gilt bis heute als der Goldstandard beim Roots Reggae.

Ein Satz zu „Rummenigge, Rummenigge“? Du hast es produziert!

Hehe, ja ! Und Denise, die Frau des Duos immer so „with sexy knees, with sexy knees“! Das war wirklich der Knaller! Wir haben viel gelacht.

Worauf dürfen wir uns am 01. Juni in Neunkirchen freuen?

Es gibt Radio Wolf Maahn – Das Beste der 80er, 90er und von heute!

Interview: Markus Brixius Bild: xxx

www.wolfmaahn.de

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